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Das Leben beginnt dort, wo die Angst endet! - Wir brechen das Schweigen! Denn auch der Deutsche sollte das Recht haben sich fröhlich zu fühlen! (Mi, 15 Jun 2016)
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Ein Bericht aus Italien aus dem Jahre 2000 zum Thema Inklusion und deren Umsetzung in Italien (Fr, 10 Jun 2016)
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Verena Elisabeth Turin hat das Down-Syndrom und berichtet von ihrer Kindheit und Jugend in Italien (aus dem Jahr 2000) (Do, 09 Jun 2016)
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Evi Leimstädtner-Turin berichtet von der Kindheit und Jugend ihres Kindes mit Down-Syndrom in Italien, aus dem Jahr 2000 (Do, 09 Jun 2016)
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Eindrücke aus der Bürgerwerkstatt des Auswärtigen Amtes vom 19.02.2016 in Berlin (So, 21 Feb 2016)
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Flucht und Migration - außenpolitische Herausforderung?! Welche Ideen habt Ihr? Welche soll ich einfliessen lassen am 19.02.2016 in Berlin? (Mo, 08 Feb 2016)
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Tabufrage 1: Ist Inklusion eine Illusion, weil Menschen mit Behinderung für Menschen ohne Behinderung eine Jobgarantie darstellen? (Sa, 10 Okt 2015)
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Aus gegebenem Anlass: Wie weit haben wir uns davon entfernt eine menschenwürdige Arbeit zu bieten? Oder noch mehr auf den Punkt gebracht menschenwürdig zu sein? (Mi, 19 Aug 2015)
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Ethisches Sozialverhalten, Gesundheit, Vielfalt und gruppenübergreifendes Miteinander - unsere Erfolgsfakoren für die Zukunft?! (Do, 18 Jun 2015)
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800 Arbeitgeber, die von ihren Mitarbeitern geschätzt werden ... (Do, 07 Mai 2015)
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Gut gemeintes kann gut tun, muss es aber nicht ... (Do, 16 Apr 2015)
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Inklusion als Waage sehen? Wenn eine Behinderung mich auf der einen Seite nach "unten" zieht, zieht sie mich dann auf der anderen Seiten nicht nach "oben"? (Sa, 14 Mär 2015)
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Grundschule und dann? Zukunft oder Hartz IV? Kann Inklusion zukünftig eine Perspektive für alle Kinder bieten? Und wenn ja, wie? (So, 08 Mär 2015)
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Numerobis Sekretaris Effekt (So, 22 Feb 2015)
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Sa

08

Jul

2017

Infos wie man sein StartUp, bzw. seine neue Projektidee finanziert bekommen könnte über Bank, Crowd, Investor bis Zuschuss

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Mi

15

Jun

2016

Das Leben beginnt dort, wo die Angst endet! - Wir brechen das Schweigen! Denn auch der Deutsche sollte das Recht haben sich fröhlich zu fühlen!

Bestimmen und beherrschen die 6 großen Wohlfahrtsverbände (AWO, Diakonie, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Der Paritätische, ZWST) sowie die Sozialverbände die deutsche Sozialpolitik? Haben sie damit indirekt eine Sinnkrise bei fast allen Deutschen ausgelöst? Oder sind auch sie einfach nur Teil der Sinnkrise?

 

In jedem Fall entscheiden sie wie mit Benachteiligten umzugehen ist und sie wirken auf politischer Ebene mit - bis hin zur Vorlage von Gesetzesentwürfen. Und wenn man mal die Hand aufs Herz legt, dann muss man sagen, sie tragen seit Jahren zur Verhinderung von Inklusion bei. Ob es Absicht ist oder Versehen, ist schwer zu sagen. Gefangen im geschaffenen Menschenbild des Deutschen scheinen ja alle zu sein. Der Kelch ist weder an den Vertretern der Verbände noch am Rest der Bevölkerug vorbei gegangen. Weit mehr als ein Drittel aller Deutschen sind direkt von der Auslegung des Menschenbildes betroffen, da sie in den Einrichtungen der Verbände Betreuung, Pflege und Beratung erfahren.

 

Allein die Wohlfahrtsverbände der christlichen Kirche, also Diakonie und Caritas, betreuen zusammen 22 Millionen Deutsche, das macht nicht ganz 27 % der deutschen Bevölkerung aus. Und das ist, wie gesagt, nur der Marktanteil der Kirche! Wohlfahrt ist ein Wirtschaftszweig!

 

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Fr

10

Jun

2016

Ein Bericht aus Italien aus dem Jahre 2000 zum Thema Inklusion und deren Umsetzung in Italien

Auszüge aus Integration von Menschen mit Behinderung – Entwicklungen in Europa, herausgegeben von Maren Hans und Antje Ginnold, erschienen im Luchterhand Verlag, im Jahr 2000

 

S. 9

 

... Die folgenden drei Beiträge führen die Leserinnen und Leser nun nach Italien – einem Land, von dem so viele Anstöße für die Integrationsentwicklung ausgingen und –gehen. Edith Brugger-Paggi beschreibt auf der allgemeinen Ebene die Situation in Italien. Gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten ist rechtlich verankert und weitgehend Normalität geworden. Es wird nicht mehr die Realisierbarkeit und die Notwendigkeit von Integration in Frage gestellt, sondern inzwischen wird an der qualitativen Verbesserung der Praxis gearbeitet. Dazu gehören eine neue Lehrerbildung ebenso wie Fortbildungsangebote für tätige Lehrerinnen und Lehrer, mehr Autonomie für die einzelne Schule, die Überarbeitung der Lehrpläne, aber auch Bemühungen um Vernetzung und Kooperation der unterschiedlichen Professionen und Bereiche. Im Zentrum stehen ein Menschenbild und eine Pädagogik, die auf die Stärkung der Autonomie und Rechte von Menschen mit Behinderung gerichtet sind. Wie sich dies im Alltag auswirkt, stellen Verena und Evi Turin aus ihrer ganz persönlichen Sicht dar. Verena Turin eine junge Frau mit Down-Syndrom beschreibt Szenen aus ihrem Leben, wie sie den Kindergarten, die Schule, das Arbeitsleben und ihre Freizeit erlebte. Sie tut dies in einer sehr eindrucksvollen Sprache. Evi Leimstädtner-Turin schildert Verenas Entwicklung aus ihrer Sicht als Mutter. Es entsteht ein lebendiges Bild, das die sachliche Darstellung mit der subjektiven Wahrnehmung verknüpft.

 

 

S. 163, ff. aus dem Bericht von Edith Brugger-Paggi mit dem Titel Integration von Menschen mit Behinderung in Italien

 

Besonderheiten in der Entwicklung der Integration in Italien

 

Zwischen der Entwicklung der Werthaltungen in der Gesellschaft und der Entwicklung der gesetzlichen Normen besteht ein enger Bezug. In der Regel stehen Wertvorstellungen am Anfang, gefolgt von der Änderung in der Vorstellung über Normen, die letztendlich in gesetzliche Bestimmungen ihren Niederschlag finden. Diese Veränderungen erfolgen jedoch nicht bei allen Gruppenmitgliedern gleichzeitig, oft werden sie von kleinen Gruppen entwickelt und weitergetragen, weshalb die Akzeptanz nicht bei allen im selben Ausmaß vorhanden ist. (vgl. Haug in diesem Band).

 

Die bei uns gesetzlich vorgegebene Integration ist zwar eine förderliche Voraussetzung für die Integration, bestimmt jedoch nicht auch schon die Qualität der Integration, das kooperative Handeln, das integrative Denken, die veränderte Einstellung in den Köpfen. Dies kann nicht per Gesetz verordnet werden. Integration in Italien ist eine politische Entscheidung gewesen, vorangetragen von einer Mitte-Links-Regierung, jedoch mit großem Konsens auch in einem Großteil der Bevölkerung. Studienkommissionen auf parlamentarischer Ebene (Kommission Falcucci 1975) haben sich intensiv mit den pädagogischen Grundausrichtungen und den Rahmenbedingungen auseinander gesetzt. Gefehlt haben hingegen wissenschaftlich begleitete Schulversuche im Bereich der schulischen Integration, die es übrigens bis heute kaum gibt. Eine einzige umfassende Untersuchung wurde im Jahre 1997 auf parlamentarischer Ebene durchgeführt, sie wurde aber auf Grund der zum Teil einseitigen und tendenziösen Fragestellungen und der Schlussfolgerungen vielfach auch heftig kritisiert. Gefehlt hat bisher auch eine Evaluation der Integrationserfahrungen und der Effektivität der schulischen Integration.

 

Ein typisches Merkmal der rechtlichen Bestimmungen bis hin zu Gerichtsurteilen ist sicher die Tatsache, dass die grundlegend pädagogisch ausgerichtet sind, Einstellungen und Haltungen, ein Menschenbild vermitteln, das von der Gleichwertigkeit der Menschen mit Behinderung ausgeht, von ihrem Recht auf Förderung und Entwicklung ihrer individuellen Fähigkeiten im Rahmen eines einheitlichen Schulsystems. Als Beispiel möchte ich einige Auszüge aus einem Urteil des Verfassungsgerichtshofes wiedergeben, das die weitere Entwicklung der Integration besonders in den Oberschulen für Schüler mit Behinderung nicht nur erleichtert, sondern garantiert und zwar auf Grund der Tatsache, dass von wissenschaftlicher Seite nunmehr vielfach nachgewiesen sei, dass keine Menschen mit Behinderung gibt, die nicht rehabilitiert werden können, dass die schulische Integration grundlegende Bedeutung hat für die Rehabilitation. Die Teilnahme am gemeinsamen Lern- und Erziehungsprozess mit Lehrpersonen und normalbegabten Mitschülern ermöglicht jene psychologischen Inputs, die zu einer Verbesserung des Lernens führen, die Beziehungsfähigkeit und die Kommunikation verbessern und so dazu beitragen, die Behinderung zu vermindern. Dieser Prozess darf nicht mit dem Abschluss der Pflichtschule abgebrochen werden, da ein solcher Abbruch einen Stillstand, wenn nicht gar eine Regression in diesem Prozess bewirken könnte. Die schulische Integration hat auch eine bessere Eingliederung des Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt und die Gesellschaft zur Folge und ermöglicht die Ausführung qualifizierter Tätigkeiten. Daher muss der Besuch der Oberschule garantiert werden (Urteil des Verfassungsgerichtshofes vom 03.06.1987).

 

Im Dezember 1999 hat in Rom die erste nationale Konferenz zum handicap (prima conferenza nazionale sull‘ handicap) stattgefunden mit dem Ziel, in umfassender Weise den derzeitigen Stand der Integration von Menschen mit Behinderung in den verschiedenen Lebensbereichen festzustellen und daraus grundlegende Maßnahmen für die nächste Zeit zu entwickeln. Verschiedene Arbeitsgruppen haben Vorarbeit geleistet, Dokumente vorbereitet, die in der dreitägigen Tagung vorgestellt, in verschiedenen Workshops diskutiert, ergänzt und umgearbeitet worden sind. Mehr als dreitausend Menschen aus verschiedenen Bereichen, direkt Betroffene, Verbände und Vertreter von Institutionen haben gemeinsam daran gearbeitet. Grundlegende Beiträge wurden sowohl vom Staatspräsidenten als auch vom Ministerpräsidenten geliefert; eine beachtliche Anzahl von Ministern arbeitete in den Arbeitsgruppen konkret mit. Die nationalen Medien berichteten ausführlich über diese Tagung. Dies als Beispiel dafür, dass die Integration von Menschen mit Behinderung ein politisches, wirtschaftliches, gesellschaftliches Thema ist, das nicht mehr nur von einigen Outsidern behandelt wird, sondern vielmehr gesellschaftliche Relevanz hat. Die Ergebnisse dieser Tagung wurden in einem Regierungsprogramm zusammengefasst, das die Schwerpunkte der Regierungstätigkeit für die nächsten drei Jahre festlegt. Diese Schwerpunkte beziehen sich auf alle Bereiche, nicht nur auf den schulischen. Hier die wichtigsten Vorhaben (Presidenza Del Consiglio Dei Ministri/Dipartimento Per Gli Affari Sociali 2000, 138 ff.):

 

-  Prävention von Defiziten durch Finanzierung von Forschungsvorhaben zur genaueren  

   Erfassung der Ursachen von Defiziten,

 

-  Sekundärprävention in Form von Frühdiagnosen, Durchführung flächendeckender

   Screenings bei Neugeborenen,

 

-   Verbesserung der Verkehrssicherheit durch entsprechende Maßnahmen,

 

-  Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitsunfälle und der Unfälle im Haushalt,

 

-  Verbesserung der Maßnahmen zu Arbeitseingliederung – auch Betriebe mit weniger als

   15 Beschäftigten müssen nun Menschen mit Behinderung aufnehmen; sie erhalten

   entsprechende Unterstützung bei der Arbeitseingliederung und finanzielle Zuschüsse,

 

-  Verbesserung der rehabilitativen Maßnahmen durch Dezentralisierung der Angebote,

 

-  Unterstützung der Familien,

 

-  Schaffung von Strukturen und Initiativen verschiedenster Art, um Menschen mit schweren

   Behinderungen im Erwachsenenalter ein Maximum an autonomer Lebensgestaltung zu

   ermöglichen,

 

-  Abbau architektonischer Barrieren,

 

-  Verbesserung der Zugänge zu den öffentlichen Verkehrsmitteln,

 

-  Finanzielle Erleichterungen beim Ankauf und Umbau behinderungsspezifischer privater

   Verkehrsmittel

 

-  Integrierte Initiativen im Sport-, Freizeit- und im kulturellen Bereich,

 

-  Verbesserung des Zugangs zu den spezifischen Informationen: rechtliche Informationen 

   über spezifische Angebote in den verschiedenen Regionen, Provinzen und Gemeinden,

   über behindertengerechte Verkehrsmittel, Hotels und Freizeitangebote …,

 

-  Zusammenarbeit auf europäische Ebene im Bereich der verschiedenen EU-Projekte

 

 

Die Anliegen der Menschen mit Behinderung zu einem gesamtgesellschaftlichen Anliegen werden zu lassen, dazu hat die schulische Integration sicher einen wesentlichen Beitrag geleistet. Seit über 20 Jahren haben Kinder und Schüler im Laufe ihrer Schullaufbahn Kontakt mit Mitschülern mit Behinderung, sie lernen mit ihnen umzugehen, neue Verhaltensweisen, andere Kommunikationsformen. Dies überträgt sich auch auf das Verhalten außerhalb der Schule, in gesellschaftlichen Kontexten, in der Freizeit und später auch im Arbeitsbereich, Menschen mit Behinderung gehören in Italien zum Straßenbild, wie eben andere Menschen auch (vgl. Leimstädtner-Turin und Turin in diesem Band). Das bedeutet nicht, dass es nicht auch Sonderfälle gibt, die von der Presse bereitwillig aufgegriffen und wirksam dargestellt werden: ein Kind mit Down-Syndrom, das nicht zur Erstkommunion zugelassen wird, ein Mensch mit Behinderung, dem der Zugang zu einem Hotel versagt wird usw. Aber das sind die Ausnahmen, die alltägliche Situation sieht anders aus. Maßnahmen der Integration finden wir in allen Bereichen, ebenso entsprechende Finanzierungen. Und das obwohl es um Italiens Staatshaushalt sicher nicht bestens bestellt ist.

 

Wer wissen möchte, warum Inklusion in Deutschland nicht funktioniert, einmal hier klicken.

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Do

09

Jun

2016

Verena Elisabeth Turin hat das Down-Syndrom und berichtet von ihrer Kindheit und Jugend in Italien (aus dem Jahr 2000)

Auszüge aus Integration von Menschen mit Behinderung – Entwicklungen in Europa, herausgegeben von Maren Hans und Antje Ginnold, erschienen im Luchterhand Verlag, im Jahr 2000

 

S. 172 ff.

 

(K)eine andere Welt?!

Verena Elisabeth Turin

 

Ich stelle mich vor!

 

Guten Tag, ich heiße Verena Elisabeth Turin und lebe in Südtirol (Italien). Vor meiner Taufe hatten meine Eltern ein kleines Problem, wie ich wirklich heißen sollte. Meiner Mutter gefällt Verena sehr gut und meinem Vater gefällt Elisabeth auch sehr gut. Also haben sie diese Namen zusammengetan und haben mich so getauft.

 

Ich bin 147 cm groß und wiege 44 Kilo. Ich habe halblange braune Haare und trage eine Brille. Seit ich 16 Jahre alt bin, habe ich einen Freund. Ich bin sehr sportlich und habe schon einmal in Neumarkt einen Pokal im Dorflauf gewonnen. Manchmal geht es auch im Schwimmen so.

 

Jetzt möchte ich euch erzählen, dass ich Down-Syndrom habe. Meine Augen sehen chinesisch oder japanisch aus. Ich bin sehr stolz auf meine schlanke Figur. Ich bin 20 Jahre alt und bin am 08.12.1979 geboren. Mein Sternzeichen ist Schütze. Bei meiner Geburt war ich nicht größer als eine der Puppen von meiner älteren Schwester Claudia.

 

Kindergarten

 

Vom Kindergarten weiß ich nur, dass ich am Spielplatz im Sandkasten gespielt habe. Es war in Löwenegg in Sterzing. In der Weihnachtszeit hat mir die Tante Monika die Krippe gezeigt. Das weiß ich nur, weil es auf dem Foto drauf ist. Von Tante Margareth und von der Tante Maria weiß ich überhaupt nichts mehr.

 

Volksschule

 

Ich kann mich erinnern, dass ich mich in Religion für die Firmung vorbereitet habe. Einmal haben wir sogar mit dem Herrn Dekan zusammen eine Messe gehalten. Voller Aufregung durfte ich auch noch eine Fürbitte vor den anwesenden Leuten lesen. In der Volksschule hatte ich eine sehr nette Stützlehrerin. Sie heißt Frau Flora und hat mich in Deutsch unterrichtet. In Italienisch hatte ich die Frau Michaela G. als Stützlehrerin. Sie hat mir einfache Bildgeschichten auf italienisch beigebracht. Mit Frau Flora bin ich einmal einkaufen gegangen.

 

Mittelschule

 

Mit elf Jahren habe ich die Mittelschule in Sterzing besucht. Zuerst war für mich alles neu. Unser Klassenlehrer war der Deutschprofessor Johann F. Er brachte uns Lesen und fehlerfreie Briefe zu schreiben bei. Für Mathematik und Naturkunde war Hildegard P. zuständig. Und die anderen Lehrer und Lehrerinnen brachten mir Turnen, Singen, Italienisch und Politik bei. Meistens war ich mit den Klassenkameradinnen zusammen im Klassenzimmer und hörte interessiert dem Lehrer zu. Hin und wieder musste ich mit meinen verschiedenen Stützlehrern aus der Klasse gehen, weil es für sie einfacher war, mir allein in einem winzigen Raum Sachen von Deutsch, Italienisch und Mathematik zu erklären. Eine einzige Stützlehrerin war nicht so leicht auszuhalten, wenn ihr die Geduld ausging und sie mich dann anschrie. Die anderen waren sehr nett und ich konnte gut mit ihnen reden.

Bei der großen Pause lernte ich meinen Freund Michael P. kennen. Er wohnt in Wiesen, nicht weit von mir in Sterzing. Es war eine sehr glückliche und aufregende Zeit mit ihm. Der erste Mundkuss war für mich sehr wunderbar. Es war, als würde er mein Herz besitzen. Er ist ein Jahr jünger als ich. Beim Küssen ist immer er der Chef. Ich lasse mich einfach verführen. Aber nicht von den anderen Jungen, die anfangen sich in mich zu verlieben. Michael hat sehr schöne Augen.

 

Einmal hat mein Turnlehrer mich beim Bodenturnen geprüft. Dort habe ich ihm die Brücke gezeigt und habe ausgezeichnet plus gekriegt. Er hat sich auch gewundert, dass ich sehr gut schwimme. Bei der großen Abschlussprüfung sollte ich in italienischer Sprache eine Bildgeschichte erzählen. Im Naturkundefach habe ich mich freiwillig über das Leben der Schmetterlinge prüfen lassen. Beim Turnen musste ich mit einem Reifen Hula-Hopp vorführen. Der Turnlehrer hat nur gesagt, bei ihm bin ich schon durchgekommen. Ich habe die ganze Zeit immer weiter mit dem Reifen getanzt, bis die Lehrer mich gestoppt haben.

 

Berufsfindungskurs

 

Zuerst musste ich zum Psychologen gehen, der mir Texte, Bildgeschichten, Fragen und Rätsel vorlegte. Zum Schluss hat er mir gesagt, ich sollte den Berufsfindungskurs in Brixen besuchen. Ich bin vier Jahre lang in diese Schule gegangen. Mit 15 Jahren bin ich das erste Mal in diese Schule gekommen. Vom Zugbahnhof musste ich ein Stück weit gehen, weil unsere Schule fast am Rande der Stadt auf einem netten Hügel liegt. Man hat wenigstens einen schönen Blick auf die Stadt.

 

Die Schüler vom Berufsfindungskurs gehen jeden Tag in die Schule, aber sie haben auch drei Praktikumswochen zu machen, z. B. in der Küche, Gärtnerei, im Altersheim, Geschäft usw.

 

Wenn ein Schüler sehr brav und sehr fleißig ist, wird er von den Lehrern für die Arbeitswelt vorbereitet. Dann steigt er auf den Arbeitslehrgang über. Das Gleiche ist mit mir auch passiert. Man geht einmal in der Woche zur Schule. An den übrigen Tagen wird gearbeitet: im Sekretariat, als Schuldiener, als Bibliothekarin, als Arbeitskraft im Buchladen usw. Unsere Lehrer/innen sind alle sehr nett und versuchen, für uns eine richtige fixe Arbeitsstelle zu finden. Ich war die Einzige, die sehr, sehr, sehr gerne zur Schule ging. Meine Lieblingsfächer waren Italienisch, Turnen als eine Art Körperentspannung, Computerschülerzeitung und Schwimmen auf der Seeburg. Es war für mich alles sehr interessant. Zum Turnen und Religionsunterricht gingen wir zum Hauptsitz der Schule. Sie heißt Landesberufsschule für Handel, Handwerk und Industrie. Dort nahmen wir mit anderen Schulkindern am Unterricht teil.

 

Das tägliche Mittagessen nahmen wir  in der nahen gastgewerblichen Berufsschule ein. Dort war auch das Heim, in dem ich wohnte. Vor dem Essen mussten wir uns von der Sekretärin auf eine Liste schreiben lassen, damit die Heimleiter wissen, wie viele Schüler zum Essen kommen. Dann mussten wir uns wie kleine brave Kinder in eine Reihe hintereinander anstellen. Mittwochs kochten wir immer in der Schule selbst und gingen auch selbst einkaufen.

 

Eigentlich hatte ich keine Schwierigkeiten, außer dass ich umgangssprachlich rede. Meine Mitschüler sprechen eben mehr Dialekt. Wenn sie untereinander redeten und einer oder eine sich mit mir unterhalten wollte, sagte der andere: „Sprich doch mit ihr nach der Schrift“. Aber ich wollte es nicht.

 

In Brixen habe ich in einem unterhaltsamen Heim gewohnt, das 400 Schüler aufnimmt, sogar behinderte Jugendliche. Landesberufsschule für Hotel und Gastgewerbe heißt es. Dort lernte ich die Heimleiter/innen kennen. Mit den Heimschülern ist es nicht so leicht zusammen zu leben, weil sie sich necken und sich besaufen mit Bier, raufen und beim Abendessen immer drängen, um das beste Essen zu kriegen und so weiter. Mir hat, weil ungewohnt, das Benehmen der gesunden Jugendlichen irgendwie nicht gefallen. Aber man kann Calcetto, Fußball, Volleyball, Flugball spielen. Es gibt Flöt-, Sing-, Theater-, Schwimm-, Eislauf- und Reitkurse. Wir konnten selber Disco machen oder törggelen am Abend. Mit elterlicher Erlaubnis kann man Pizza essen gehen und bis zehn Uhr ausbleiben. Wenn ein Betreuer eine behinderte Gruppe hat, wird er ganz anders arbeiten als die anderen Heimleiter/innen. So werden eben die Gruppen getrennt. Das Heimleben gefiel mir sehr gut.

Wir sind mit der Klasse nach Rom, Wien, Florenz und München gefahren. Es war interessant und aufregend und lustig. Außerdem war eine Grazer Gruppe im letzten Schuljahr bei uns zu Besuch. Sie hat uns eine Palme geschenkt. Daraufhin sind wir zu sechst nach Graz gefahren. Ich hasse die Abschiede so sehr, weil ich meine Freunde sehr gerne habe.

 

Praktika während des Berufsfindungskurses

 

Zuerst bin ich bei der Seilbahnfabrik in Sterzing im Büro untergebracht worden. Dort musste ich mit dem Computer arbeiten. Ich sollte die komplizierten Tabellen und Listen und Daten eintragen. Es war irgendwie langweilig für mich, fast den ganzen Tag vor dem gleichen Computer zu sitzen. Anschließend kriegte ich meistens Kopfweh. Zur Abwechslung durfte ich die Adressenblätter zu einem Pack Seite für Seite kopieren. Immerhin kam ich mit meinen Mitarbeitern sehr gut aus. Bei diesem Praktikumsort hat es mir aber schon gefallen, es ist nur der falsche Ort um richtig zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass ich viel zu viel mit Maschinen gearbeitet habe.

 

Im Rehabilitationsbüro und in der Krankenhausverwaltung von Brixen habe ich auch praktiziert. Dort sollte ich wichtige Formulare und Papiere ausfüllen, abschreiben, fotokopieren, wegfaxen, Post verteilen, unterschreiben lassen, Stellung halten und und und . Anfangs ist meine Lehrerin S. öfters gekommen, um mir die einzelnen Aufgaben zu zeigen. Manchmal schaute sie auch nach, wie es mir bei der Arbeit geht. Dann besprach sie mit dem Arbeitgeber, ob er mit mir zufrieden war.

 

Auch im Sekretariat meiner Schule in Brixen habe ich ein Praktikum absolviert. Dort musste ich Mitteilungen an die Schüler in die Klassen bringen, Briefe zusammenfalten und in Kuverts stecken, wichtige Formulare faxen, fotokopieren, die Lehrerpost in die Fächer geben und sehr viel stempeln. Das habe ich sehr gerne gemacht. Alle Mitarbeiter waren sehr nett.

 

Im Warenhaus und im Altersheim arbeitete ich auch noch. Im Warenhaus musste ich Preisschilder mit einer Preismaschine auf die Ware kleben und diese dann wieder in die Regale zurückstellen. Auch sollte ich diese Regale abstauben und den Fußboden kehren. Außerdem sollte ich aus dem Magazin Kisten mit den Rodeln holen. Diese Arbeit habe ich sehr gerne ausgeführt. Einmal habe ich es auch bei der Kassa versucht, aber das habe ich nicht gerne gemacht, weil ich nicht gut im Rechnen bin.

 

Im Altersheim sollte ich ältere Leute im Rollstuhl in die Kirche schieben, oder vom Rollstuhl auf das Bett heben, Essen eingeben und mit den Nachmittag verbringen. Wir haben gebastelt und Karten gespielt, gehäkelt und so weiter. In der Wäscherei des Altersheims musste ich die Kleidungsstücke bügeln und zusammenfalten und in die eisernen Regale hineinlegen.

 

In der Stadtbibliothek von Sterzing sollte ich bei vielen Büchern den Besitzstempel auf die zweite Buchseite geben. Auch Ausleihnummern, Lesezeichen und Formulare gibt es zu stempeln. Bei den Lesezeichen nehme ich meistens den Öffnungsstempel her. Zuerst müssen die Bücher ganz weiß geputzt werden und anschließend werden sie mit Alkohol gereinigt. Dann werden sie neu eingebunden und die Ausleihfristzettel werden hineingeklebt. Bei den Modezeitungen sollte ich die Ausleihnummern ausschneiden und die Fristzettel herausreißen. Nebenher darf ich auch eine Kassette oder CD anhorchen. Oft muss ich die Stellung halten und das Telefon abheben. Früher habe ich immer die Rückgabe der ausgeliehenen Bücher gemacht. Wenn ein Buch mit verfallenem Datum zu spät zurückgegeben wird, muss man pro Tag 1000 Lire bezahlen. Ich musste auch diese Bücher alphabetisch in die Regale einordnen. Anschließend wird unterschrieben, Post verschickt, fotokopiert und weggefaxt. Es ist fein, viel Arbeit zu haben.

 

Der Tageablauf im Standesamt, meinem jetzigen Arbeitsplatz

 

Wenn man neu ins Standesamt kommt, muss man sich bei der Vizesekretärin melden. Am Anfang bespricht die Lehrerin mit ihr, was der Praktikant alles kann. Meine Lehrerin S. stellt mich auch bei meinen neuen Mitarbeitern vor. Zuerst kriegt man einen Anvertrauungsvertrag. Wenn der Schüler sehr nett und fleißig ist und immer pünktlich kommt, dann kann der Vertrag verlängert werden. Anschließend kriegt man bei der Vizesekretärin eine Stempelkarte. Die Stempeluhr sagt uns, wie spät wir zu der Arbeit kommen und gehen und wie lange wir bei der Viertelstunde Pause bleiben dürfen.

Zuerst soll ich mit dem Computer arbeiten und die roten kleinen Müllsäcke den Kunden verkaufen. Anschließend muss ich die weißen, quadratischen, neuen Ausweise in ein Buch übertragen und dann die wichtigsten Formulare vom Bürgermeister unterschreiben lassen. In der Zwischenzeit soll ich wichtige Blätter wegfaxen, fotokopieren, Post austragen, Stellung halten und Telefondienst machen. Jetzt bereite ich die Müllsäcke für das Steueramt vor. Nach dieser Arbeit ordne ich die genannten weißen Ausweise alphabetisch in die Karteikästchen hintereinander ein. Wenn ein Ausweis verfallen ist, entferne ich die Hülle und werfe sie in den Müllkübel. Und der Ausweis kommt dann in ein Vernichtungsgerät hinein. Sonst könnten die Ausländer, die zu uns geflüchtet sind, sie verfälschen. Von dem Ausweisbuch muss man mit der Hand jede Seite mit komischen Zahlen nummerieren. Das habe ich überhaupt nicht gerne ausgeführt. Sonst die anderen Sachen schon.

Ab und zu geht es bei uns sehr lustig zu, wenn kein Parteienverkehr ist. Der Parteienverkehr ist, wenn Menschen, die in der Gemeinde was brauchen, hereinkommen und z. B. Ausweis, Familienbogen, Todesurkunde, Geburtsanmeldungen brauchen, wenn sie heiraten wollen und und und. Wenn man viel Arbeit hat, dann arbeite ich sehr gerne. In Wirklichkeit habe ich während meiner Arbeit zu viel Sehnsucht nach der Schule, mein Herz hat dabei sehr wehgetan. Einmal habe ich mich sogar im Klo eingesperrt und habe Magen- und Weinkrämpfe gekriegt. Mein Vorgesetzter hat sich inzwischen Sorgen um mich gemacht, weil ich nicht so schnell herausgekommen bin.

 

Freizeit

 

Hinter unserem Haus, im Garten, habe ich von meinem Vater das Rad fahren gelernt. Es war toll. Mein Vater hat das Rad am Gepäckträger hinten gehalten und ich musste lachend auf die Pedale treten. Daneben ist er mit mir mitgelaufen. Zuerst musste ich die Straßenverkehrsregeln kennen lernen, erst dann durfte ich mit dem Rad in die Schule fahren.

 

Von meinen Eltern habe ich schwimmen gelernt. Mein Vater wollte, dass ich bei einem Schwimmlehrer Stunden nehme. So fing es mit den Schwimmwettkämpfen an. In verschiedenen Orten Bruneck, Mantua, Cesena treffen wir uns vor der Schwimmhalle. Dann ziehen wir uns um und warten gespannt, bis wir drankommen. Wenn sie uns aufrufen, müssen wir zum Start gehen. Die Organisatoren erklären uns, welche Reihe, Disziplin und wie viele Längen wir schwimmen müssen. Einer macht den Bauchklatsch und die anderen finden es sehr lustig. Es ist sehr toll, mit meinen Freunden  die Kräfte zu messen. Zum Schluss beglückwünschen wir uns mit Bussis und mit Schulterklopfen. Beim Skikurs ist es auch so lustig zugegangen wie beim Schwimmen. Ich finde es sehr toll, dass wir viele verschiedene Freundschaften  erleben und im Leben brauchen können.

 

Seit Oktober 1998 gibt es unseren Freizeitclub Happy in Brixen. Ich war beim Kastanien essen dabei. Es war lustig und unterhaltsam. Wir neckten uns gegenseitig und lachten zusammen. Wir füllten unsere Bäuche mit Kartoffelsalat, mit Wurst und Krautsalat und natürlich sehr vielen Kastanien. Diesen Abend verbrachten wir mit einer anderen Gruppe vom Unterland. In der Weihnachtszeit hat Michele uns nach Bruneck ins Kino gefahren. Einmal waren wir auch im Alpenzoo in Innsbruck. Was mir gut gefallen hat, war die Reise in den Vergnügungspark Gardaland. Leider sind viele Ausflüge genau am Samstag, wenn ich die Musik-Band-Stunde in Sterzing besuche. Und Musik ist einfach ganz wichtig für mich. Ich finde es ganz toll, dass der Leiter unserer Band-Gruppe Schlagzeuger ist. Er ist Mitglied einer bekannten Rockgruppe, und alle diese Musiker hat er mir vorgestellt. Ich kenne jedes Stück von ihnen auswendig, zumindest den Liedanfang.

 

Als ich noch in Brixen zur Schule ging, besuchte ich auch einen Singkurs und einen Flötenkurs in der Musikschule. Beim Flöten war ich mit einem Mädchen zusammen, das immer einen Vorsprung zu mir hatte. Man soll jeden Tag auf der Flöte üben. Beim Singen lernt man die schöne Aussprache der Liedertexte, die Notenwerte und natürlich auch das Singen. Es machte mir sehr viel Spaß, mit normalen Kindern am Unterricht teilzunehmen. Ich war die bravste Schülerin, weil die anderen mehr geschwätzt haben und nicht zuhören wollten. Manchmal war es auch laut in der Klasse, wo die arme Lehrerin uns anschreien musste, um Ruhe zu schaffen.

 

Ich habe in Brixen auch noch einen Theaterkurs besucht. Leider nur für ein Jahr, weil das mein letztes Schuljahr in Brixen war. Am Anfang war es ein bisschen schwierig, mich mit den nichtbehinderten Jugendlichen zu verstehen. Aber beim Spielen war es toll und lustig. Da musste man z. B. dem Gegenüber ernsthaft tief in die Augen schauen und versuchen nicht zu lachen. Anschließend machten wir Geschicklichkeitsübungen, z. B. vier Stühle nur mit den Füßen hin- und herschieben. Bei dieser Arbeit  mussten wir viel lachen.

Heuer besuche ich zum ersten Mal einen Keybordkurs in Sterzing. So genau weiß ich nicht, wie viele Jahre ich das machen werde, aber ich werde das Spielen nie aufgeben. Ich verbringe mit meiner Lehrerin und meiner Kollegin, die auch eine Grundschullehrerin ist, mit viel Spaß die Stunden. Ab und zu, wenn meine Kollegin die Notentheorie hat, spitze ich die Ohren. Manchmal schaue ich ihr auf die Finger. Ich liebe die Musik, die eine der Lehrerinnen auf dem Klavier spielt. Natürlich bin ich ein bisschen hinten mit den Noten und mit dem Keybord spielen, aber es ist ja erst mein erstes Jahr!

 

 

Einmal im Jahr kommt eine Broschüre für das Sommerprogramm von der Lebenshilfe Bozen heraus. Darin können die behinderten und nichtbehinderten interessierten Teilnehmer auswählen, wo sie gerne hinfahren wollen. Es gibt verschiedene Ferienaufenthalte. Dort, z. B. im Ultental oder im Sarntal oder am Gardasee oder gar in Deutschland in Nordwalde habe ich in den vergangenen Sommern mit einer netten Gruppe zwei schöne Wochen verbracht. Wir sind auf den Berg gestiegen, haben Burgfeste gefeiert, sind etwas trinken oder ins Konzert gegangen, haben in der Disco getanzt. Eis essen, Ansichtskarten schreiben und Stadtbummel machen war auch sehr schön. Wir haben Billard und auch Karten gespielt. Ich finde es sehr toll, ohne Eltern mit einer Gruppe den Urlaub zu verbringen.

 

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Do

09

Jun

2016

Evi Leimstädtner-Turin berichtet von der Kindheit und Jugend ihres Kindes mit Down-Syndrom in Italien, aus dem Jahr 2000

Auszüge aus Integration von Menschen mit Behinderung – Entwicklungen in Europa, herausgegeben von Maren Hans und Antje Ginnold, erschienen im Luchterhand Verlag, im Jahr 2000

 

S. 139 ff.

 

Behandelt euer Down-Kind genau wie die anderen Kinder auch!

Evi Leimstädtner-Turin

 

Heute, (k)ein Tag wie jeder andere

 

Heute sitzt Verena in ihres Vaters Büro, das an unsere Wohnung grenzt, und tippt ihren eigenen Bericht für das Buch in den Computer. Sie will es tun.

 

Wir überlegen, wie lange Verena wohl brauchen wird, den Bericht zu tippen. Aber wir sind stolz drauf, dass sie ohne unsere Anleitung den Computer bedienen kann, im Unterschied zu mir.

 

Heute wartet Verena zusammen mit uns anderen Familienmitgliedern auf die Ankunft ihres ersten Neffen oder ihrer ersten Nichte.

 

Wir werden Großeltern, und erinnern uns an die Geburt unserer Kinder.

 

Heute übt Verena mindestens eine halbe Stunde den Text der Lieder, die sie im Kinderchor übermorgen singen wird.

 

Wir denken, dass Verena wohl das einzige Chormitglied sein wird, dem es leidtut, dass mit dem Abschlusskonzert der Singkurs für dieses Schuljahr beendet ist.

 

Heute erfährt Verena, dass ihre erste Logopädin tragisch tödlich verunglückt ist. Sie fragt uns, warum diese Frau sterben musste.

 

Wir sind traurig und erschüttert. Verena war eine ihrer ersten „Schülerinnen“ und wir hatten ein herzliches Verhältnis zueinander aufrechterhalten, auch wenn die Stunden schon lange Vergangenheit sind.

 

Heute steht Verena maulend in der Küche und erledigt den Abwasch.

 

Wir üben uns in Konsequenz.

 

Heute legt mir Verena schon vor 8 Uhr morgens die Telefonnummer zurecht, die ich wählen muss, um sie beim Friseur anzumelden.

 

Wir kämpfen schon seit Jahren um einen Kompromiss in Sachen Frisur. Verena soll ihr Aussehen selbst bestimmen können, uns aber Beratung zugestehen.

 

Heute sieht sich Verena im Fernsehen wieder eine Folge der Serie „Herkules“ an und lebt sie lautstark mit.

 

Wir finden die Serie zwar schrecklich, sind aber glücklich, dass der Fernseher sonst eine Nebenrolle spielt. In der Schule wurden die Schüler angehalten, sich die Nachrichten anzusehen. Das tut Verena auch geflissentlich.

 

Heute erzählt uns Verena strahlend, dass sie am Arbeitsplatz für eine Weile mit ihrem angehimmelten Bürochef alleine war.

 

Ein hartes Kapitel für uns, denn Verena verliebt sich schnell.

 

Heute kommt Verena zu mir in den Garten und fragt mich, was das Wort „anormal“ heiße. Sie hat es im Geburtsvorbereitungsbuch ihrer Schwester gelesen. Sie zeigt mir die Linien auf ihrer Handfläche, sie hat zwei Linien, wo andere Down-Kinder vielleicht nur einen haben.

 

Verena macht sich sehr viele Gedanken über ihr Anderssein. Antworten auf ihre Fragen sind eine harte Probe und Herausforderung für uns.

 

Heute hört Verena zum 397. Mal dieselbe Kassette an.

 

Vielleicht braucht sie das? Auch nach der tollsten Ablenkung kehrt sie wieder in ihr Zimmer zum Kassettenrecorder zurück.

 

Verena werden nächste Woche die Mandeln entfernt. Sie freut sich darauf, ja, Sie haben richtig gelesen!

 

Alles, was mit dem Körper, mit Arzt oder Spital zu tun hat, fasziniert unser Mädchen. Wir sagen manchmal zum Spaß, sie fühle sich im Krankenhaus daheim, weil sie am Anfang ihres Lebens immerhin zwei Monate dort verbracht hat.

 

Verena kam vor kurzem ziemlich verärgert mit einer Broschüre über Behindertensport zu uns und zeigte auf den Titel: „Willkommen in unserer Welt“ stand dort. „Wieso steht das da? Habt ihr eine andere Welt als wir?“ Die vier scheinbar schönen Worte des Titels zeigen uns, wie mühsam der Weg zur Integration ist. Wir sind glücklich über jeden, der uns auf diesem Weg begleitet.

 

Im Dezember 1979 wurde Verena sechs Wochen vor dem Geburtstermin mittels Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Sie ist unser zweites und letztes Kind. Ihre Schwester Claudia ist zwei Jahre älter. Verena wog bei der Geburt 1,3 kg und wurde auf der Intensivstation der Uniklinik Innsbruck versorgt und aufgepäppelt. Als sie das Gewicht von 2 kg erreicht hatte, holten wir sie ins Bezirkskrankenhaus nach Sterzing (Südtirol/Italien), unserem Wohnort, wo sie noch ein halbes Kilo zunehmen musste, ehe sie nach Hause entlassen wurde. Es gab keine besonderen Probleme.

 

Wir Eltern waren damals 31 Jahre alt. Mein Mann ist Bauingenieur, ich habe die Ausbildung zur Grundschullehrerin. Bis zur Geburt unserer ersten Tochter war ich an verschiedenen Orten Südtirols im Dienst. Damals gab es bei uns noch die Sonderschulen, somit habe ich den Integrationsunterricht als aktive Lehrerin nicht mehr mitgemacht. Über den Kinderarzt und von Bekannten bekamen wir Hinweise, an welchen Stellen therapeutische Hilfen für behinderte Kinder angeboten werden. Wir hatten nämlich keinerlei Ahnung vom Umgang mit einem „Down-Kind“. Auch in unserem Verwandten- und Bekanntenkreis gab es kein solches.

 

Als Verena etwa ein Jahr alt war, begannen wir eine Physiotherapie. Etwas später kam sie auch zu einer Logopädin. Jeweils eine Stunde wöchentlich wurde also unsere Tochter Verena therapiert. In regelmäßigen Abständen untersuchten sie ein Kinderarzt und ein Psychologe, welche das Therapieprogramm vorschlugen. Alle diese Dienste waren kostenlos. Teils wurden die Stunden an unserem Wohnort durchgeführt, teils musste ich mit Verena in den nächsten größeren Ort fahren (Brixen in 30 km Entfernung). Diese Fahrten empfand ich aber eher als Abwechslung denn als Belastung, war doch unsere erste Tochter im Kindergarten gut versorgt, und für mich ergab sich die Gelegenheit, Probleme und Problemchen mit den Therapeutinnen zu besprechen. Ich muss aber zugeben, dass ich hin und wieder diese Stunden auch gerne ausgenutzt hätte, um eine kleine Runde in aller Freiheit zu drehen! Die ersten Entwicklungsfortschritte stellten sich nur langsam ein, das Gehen lernte Verena erst nach dem zweiten Lebensjahr, das Sprechen noch viel später. Alles in allem war sie aber immer ein gesundes Kind, welcher beneidenswerte Zustand bis heute anhält.

 

Ganz allgemein haben wir Eltern uns an die zwei Ratschläge erfahrener Erzieher gehalten, die da wären:

 

       1. „Behandelt euer Down-Kind genau wie die anderen Kinder auch!“ und

       2. „Die Leute werden mit eurem Kind genauso umgehen wir ihr es tut“

 

Das klingt sehr einfach, aber es steckt sehr viel dahinter: Geduld, Konsequenz und Mut.

 

Kindergarten

 

Kurz vor Vollendung ihres vierten Lebensjahres wurde Verena nach Absprache mit dem Psychologen und Arzt für kindergartenreif erklärt. Es gab in unserem Ort zwei verschiedene Kindergärten, von denen einer eine integrative Gruppe führte. Es waren damals zehn Kinder in der Gruppe, vier von ihnen behindert. Eine Kindergärtnerin und eine Assistentin teilten sich die Arbeit. Vom ersten Tag an gefiel es Verena dort sehr gut, so wie sie auch an allen späteren Schulen oder sonstigen fremden Aufenthaltsorten keine Anpassungsschwierigkeiten hatte. So weit mir bekannt ist, wurde sie nicht gehänselt oder anderweitig schlechter behandelt. Die Akzeptanz vonseiten der anderen Eltern, der Eltern der „normalen“ Kinder, schien mir durchweg positiv. Einzig eine Mutter gestand am Ende der drei Kindergartenjahre ein, sie hätte sich anfangs geärgert, dass ihre Tochter ohne Einwilligung der Eltern dieser integrativen Gruppe zugeteilt worden war.

 

Im Laufe der Zeit hätte sie jedoch erkannt, dass das Zusammensein mit behinderten Kindern ihrer Tochter keinesfalls geschadet hat. Kinder sind unkomplizierter im Umgang mit Behinderten als Erwachsene.

 

Auch in der Kindergartenzeit sind die Therapiestunden weitergeführt worden, allerdings ist Physiotherapie durch Ergotherapie ersetzt worden. Die Anzahl der Stunden, der Zeitpunkt der Einschulung u. ä. wurden immer im kollegialen Gespräch zwischen Arzt, Psychologen und Eltern bestimmt.

 

Grundschule

 

Der Übertritt in die Grundschule (erste bis fünfte Klasse) im Herbst 1986 war schon eher ein Schritt ins Ungewisse. Es gab damals einige Lehrpersonen, die eine Zusatzausbildung für den Integrationsunterricht gemacht hatten. Leider war das nicht immer eine Garantie für einen guten Ablauf der Schulstunden. Die Stützlehrer steckten manchmal noch in Schwierigkeiten.  Es gab immer wieder Probleme, zumindest aus Sicht der betroffenen Eltern, weil die behinderten Kinder mit den Stützlehrern zu oft in einen engen, kleineren Raum gehen mussten, um dort den Lehrstoff in aller Ruhe „durchzukauen“, ohne die Klasse zu stören. Das ist zwar für den Klassenlehrer und den Stützlehrer oft bequem, läuft aber der Integrationsidee total entgegen. Wir jedoch hatten unwahrscheinliches Glück, „unsere“ Lehrerin war stark auf Draht und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Verena war fast immer mit den anderen Schülern in der Klasse. Zugegeben, sie war eine pflegeleichte, interessierte, ja begeisterte Schülerin. Ihre Stützlehrerin hat mir einmal gesagt, Verenas Schwung beflügle sogar ihre eigene, mit den Jahren etwas ermüdete Phantasie.

Lesen und Schreiben fiel unserer Tochter nicht schwer, während das Rechnen ihr schon eher Kopfzerbrechen bereitete. Das tut es übrigens heute noch! Alle anderen Fächer waren für sie mehr oder weniger ein einziges Vergnügen. Manche wohlmeinende Verwandte und Freunde glaubten, das arme Kind müsse in der Schule doppelt so viel leisten wie ihre Mitschüler und hätte es besonders schwer. Das Gegenteil ist der Fall. Man denke nur, die Aufgaben sind beschränkt, die Aufmerksamkeit der Lehrpersonen ist ihnen sicher, der Lehrstoff wird für sie besonders anschaulich dargeboten. Zudem ist der Erzieher eher geneigt zu sehen, was es kann, nicht so sehr seine Fehler. Wie oft hätte ich diese „Behandlung“ auch anderen schwächeren, „normalen“ Schülern gewünscht! Was ich zum positiven Verlauf der Schulzeit vielleicht beisteuern konnte, war das Verständnis für die Lehrpersonen, dass sie bei meinem Kind keine Wunder bewirken können und müssen, und dass sie das Kind auch erst schrittweise kennen lernen. Ich habe bei Elternrunden (Eltern Behinderter) manchmal überhöhte Ansprüche an Schule und Lehrer festgestellt. Die Lehrer fühlen sich überfordert, die Arbeit mit diesen besonderen Schülern ist mitunter wirklich schwierig, die Kommunikation mit den Eltern ebenso.

 

Je weiter die Schulzeit fortschritt, desto mehr schränkten wir die Therapiestunden ein. Die Zeit wurde knapper, die Hausaufgaben wichtiger. An unserem Ort wurden aber von rührigen Eltern hin und wieder Sportkurse für behinderte Kinder und Jugendliche organisiert. Das schien uns ein guter Ausgleich zur Schule. Schwimmen, Skilanglauf und Eislauf standen auf dem Programm. Dieses Angebot haben wir gerne angenommen. Verena liebt Bewegung und zeigt auch sportlichen Ehrgeiz. Seit sie gut schwimmt, geht sie an freien Nachmittagen oft allein ins Schwimmbad. Dort ist sie inzwischen wohlbekannt. Die Schwimmmeister stoppen ihre Trainingsrunden und vielen älteren Sonnenanbeterinnen massiert Verena die nötige Sonnencreme in den Rücken. Dafür gibt’s dann manchmal ein Eis!

 

Mittelschule

 

Die drei Mittelschuljahre (sechste bis achte Klasse) gingen mehr oder weniger problemlos über die Bühne. Wir hatten weiterhin gute Beziehungen zu Lehrern, Stützlehrern und Schulleitung. Verena schloss die Schule mit dem Diplom ab, was zur besagten Zeit eher selten zutraf. Das Prüfungsprogramm wurde für sie gekürzt, enthielt aber alle üblichen Fächer. Bei der Turnprüfung durfte sie zum Vergnügen der Kommission ihr Hula-Hoop-Können zeigen! Verena ging sehr gerne in die Schule und war geradezu traurig, als sie von ihren Mittelschullehrpersonen Abschied nehmen musste.

 

Berufsfindungskurs

 

Als nächste Möglichkeit der Weiterbildung bot sich der Berufsfindungskurs in Brixen an. Es war für uns nun doch eine ziemliche Umstellung, als Verena dort in das Schülerheim übersiedelte. Es handelt sich dabei um eine Einrichtung für 400 Studenten. Diese kommen aus ganz Südtirol, um in Brixen die Schule für Hotel- und Gastgewerbe zu besuchen. Für die wenigen behinderten Schüler unter ihnen (an die zehn) gab es einen Betreuer, der sich um ihre besonderen Bedürfnisse kümmerte. Verena besuchte mit Begeisterung die Schule und fand sich auch im Heim bald zurecht. Jeden Montag fuhr sie alleine mit dem Zug von Sterzing nach Brixen. Es war ein Pendlerzug, mit dem auch viele ihrer Mitschüler fuhren. Am Freitag Abend kehrte sie wieder zurück. An der Schule wurden allgemeinbildende Fächer unterrichtet, es wurde viel Handwerkliches erlernt und es gab Praktika in allen möglichen Arbeitsbereichen. Verena arbeitete für jeweils drei Wochen in einem Warenhaus, einer Gärtnerei, einem Altersheim, in der Personalverwaltung des Krankenhauses, im Büro einer Firma und des Rehabilitationszentrum, in der Stadtbibliothek sowie im Meldeamt der Heimatgemeinde. Es stellte sich heraus, dass Verena besser mit Büchern, Zetteln und Schreibdingen zurecht kommt als mit handwerklichen Dingen. Ihre Pluspunkte sind Verlässlichkeit und Fleiß. Probleme gibt es mit der Langsamkeit und der komplizierten Sichtweise ihrerseits gewissen Anforderungen gegenüber. Auch im Verhalten zu ihren Vorgesetzten und Kollegen musste Verena einiges dazulernen. Ihre Lehrerin begleitete sie regelmäßig während aller Praktika und besprach auch mit den Arbeitgebern Erfolge und Misserfolge. Wir Eltern hatten uns dabei herauszuhalten, was gar nicht so unbequem war. Unsere Ansprechpartnerin war die Lehrerin. Es gibt genug andere Dinge in Verenas Leben, um die wir uns nach wie vor kümmern müssen. Außerdem ist diese unsere „Ausschaltung“ ein wichtiger Schritt zum Loslassen, eine Bewusstmachung der Selbstständigkeit der Jugendlichen in ihrem Arbeitsumfeld.

 

Arbeitsstelle

 

Nach vier Jahren erachteten die Lehrpersonen Verena für reif genug, eine Arbeitsstelle anzutreten und somit die Schule zu verlassen. Das letzte Praktikum wird üblicherweise und vorzugsweise an dem Ort und Arbeitsplatz absolviert, wo der Jugendliche anschließend auch bleiben kann. Das wird natürlich mit allen zuständigen Stellen (Arbeitgeber, Bezirksgemeinschaft als Geldgeber, Arbeitsamt …) vorher eingehend besprochen. Es folgt ein Ein-Jahresvertrag, der für die Anstellung eines behinderten Jugendlichen „Anvertrauungsvertrag“ genannt wird. Dieser kann bei beiderseitiger Zufriedenheit immer wieder um ein Jahr verlängert werden. Für Verena, die schweren Herzens von der Schule schied, hieß das, eine Halbtagsstelle in unserer Heimatgemeinde Sterzing anzutreten. Seit nunmehr zwei Jahren arbeitet sie fast täglich im Meldeamt  der Gemeinde und einen Halbtag im städtischen Elektrizitätswerk. Einige intern vereinbarten Stunden hilft sie in der Stadtbibliothek aus. Sie erhält ein angemessenes Taschengeld für ihre Arbeit. Außerdem bezieht sie die vorgesehene Rente für Zivilinvaliden. Sofern Arbeitgeber und unsere Tochter noch weiterhin ein gutes Arbeitsverhältnis aufrecht erhalten, wäre die Eingliederung in die „normale“ Arbeitswelt somit geschafft.

 

Und wie geht’s weiter?

 

Auch wenn es überheblich klingen mag, weil das Erreichte nun wirklich als Erfolg einzustufen ist, wir Eltern haben doch hin und wieder das Gefühl, Verena könnte noch etwas dazulernen (so, wie wir alle auch!). Natürlich liegt es uns fern, Verena überfordern zu wollen. Wir sind auch nicht vom unseligen Ehrgeiz angestachelt, unsere Tochter  den „normalen“ Jugendlichen anzugleichen. Im Grunde ist es Verena selbst, die Wünsche äußert, wie z. B. „Ich möchte Italienisch können.“ oder „Wie kann ich die Briefe mit Computer schreiben?“ Immer wieder gibt es solche Anstöße, die wir gerne mit ihr in die Tat umsetzen.

 

Einige Dinge sind gelungen. Ihre freien Nachmittage geben ihr und uns Freiraum für die Umsetzung einiger Bildungswünsche. Verena konnte einen Computerkurs für behinderte Jugendliche besuchen. In der Schule erwarb sie bereits die Grundkenntnisse dazu. Sie besucht einen Keyboard-Kurs an der Musikschule, ebenso einen Singkurs (integriert als einzige). Verena hat auch schon einen Flötenkurs und einen Theaterkurs (ebenfalls integriert als einzige) absolviert. Seit Herbst 1999 ist Verena sogar freie Mitarbeiterin bei einer Zeitschrift, welche die „Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung“ mit Sitz in Bozen herausgibt. Die Zeitschrift „Perspektive“ erscheint vier- bis fünfmal im Jahr und enthält Beiträge über ein Rahmenthema von und für Betroffene und Interessierte. Diese Schreibtätigkeit ist für Verena eine willkommene Herausforderung. Da die Zeitung so genannte bunte Seiten enthält, die nach Lust, Laune und Phantasie der Schreiber gestaltet werden können, tummelt sich unsere Tochter mit Wonne auf diesem Feld. Ihre Sichtweise der Welt wirkt ebenso komisch wie rührend, und dadurch, dass alles im Original, also auch mit ihren Schreibfehlern, abgedruckt wird, haben die Beiträge authentischen Charakter.

Derselbe gemeinnützige Verein organisiert auch seit Jahren verschiedene Ferienaufenthalte für Behinderte.  Wir haben diese Angebote immer mit Freude angenommen und Verena ihrem Alter und ihrer Entwicklung entsprechend auf betreuten Urlaub geschickt. Für sie waren die zwei Wochen jedes Mal ein positives Erlebnis, für uns eine Verschnaufpause. Heuer fährt unsere Tochter schon zum zweiten Mal nach Nordwalde (Münster), wo ein internationales Treffen Jugendlicher stattfindet.

 

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